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einhorn insel der seligen

Das heiße Herz



Ein Herz muss zucken, muss kontrahieren und erschlaffen, immer wieder, muss pumpen, pumpen.

Den schwarzen Schimmel liebt es nicht. Der Pilz umgarnt seine Opfer, er legt Schlinge um Schlinge, die letzte zieht er zu.

Das Herz ist noch nicht soweit, dass es den Schimmel fürchten muss. Es legt seinerseits Schlingen in sich und um sich selbst, die es stärken oder schwächen: Erinnerungen wie Jahresringe.

Denn es gab ein ganzes Leben. Noch besteht es. Noch schöpft es Kraft aus sich selbst.

Manchmal ist nur eine Zahl geblieben, eine Haarsträhne, eine gemurmelte Mitteilung. Das Erkannte mischt sich mit dem nicht mehr Entzifferbaren.

Das Herz schlägt und formt Gedanken, Pläne, Urteile aus dem Stoff des Erlebten. Oft schmerzt es, Aber auch aus Schmerzen entsteht, was mich bewegen kann, was mir den Weg ebnet. Wie eine Geburt.

Was liegt vor mir? Ich will es nicht wissen. Ich werde es wissen. Der Pulsschlag wird mich begleiten wie der Atem.

Nackt und nüchtern ist der Körper, der das Herz beherbergt. Farben, die schweigen angesichts des alles überstrahlenden Rot. Gelassen registriert es die grellbunten Spiele der Kultur. Bestätigung findet es in der narbigen Würde eines alten Türsturzes.

In dir kannst du ein Gleiches fühlen, unsichtbar, aber mächtig. Spür ihm nach, es wird dich halten, wird dein Halt sein. Aus kalten Wänden sprüht es zurück.