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einhorn insel der seligen

Banzer



Unter Banzers Ägide fließt Wasser. Kostenlos; erstaunlich.

Erstaunlich auch, was Wikipedia von ihm zu berichten weiß: (er) war ein bolivianischer Diktator und späterer Politiker.

Stimmt tatsächlich!

Und das kam so:

Militärschule in der Hauptstadt, die bezeichnenderweie School of the Americas hieß, Fortsetzung in den USA. Sehr beachtlich für einen Emporkömmling aus einem bettelarmen Land. Da muss er ganz schön rangeschafft haben. Anderereits suchen die Geheimdienste stets frühzeitig nach Begabungen. Er ist noch keine Dreißig, als er in die Regierung eintreten darf, gleichzeitig macht er Karriere in der Armee. Zwischendurch ist er Militärattaché in den Vereinigten Staaten. Wo sonst?

Wenig später beginnt eine Serie von Putschversuchen, an denen er beteiligt ist und die ihn zuletzt ganz nach oben katapultieren. .

Er lässt seinen größten Rivalen liquidieren, verbietet und verfolgt die Gewerkschaften, Hunderte Menschen verschwinden spurlos. Die Nachbarländer Argentinien und Chile applaudieren.

Als Banzer nach langen Jahren der Diktatur durch einen Gegenputsch entmachtet wird er nicht etwa bestraft, sondern geht in die Politik und hat genügend Einfluss, dass er zum Staatsoberhaupt gewählt wird.


Wir in Europa kennen dieses Rezept. Diktatoren werden weithin heimlich bewundert, gerade wenn sie sich einen demokratischen Anstrich geben. Rücksichtslose Gewalt, verbunden mit bauernschlauer Intelligenz, Hinterlist und versierter Taktik haben schon Napoleon vom Offizier der Revolution zum Diktator aufsteigen lassen. Man blicke heute nach Ungarn oder in die Türkei, nach Libyen oder Syrien, nach China und Russland.

Was liebten die Italiener an Berlusconi? Dass er es „geschafft“ hatte, aus einfachen Verhältnissen aufzusteigen, so hoch es eben ging.


Zum Exempel: Der sogenannte „Wasserkrieg“:

Damit das Land Schulden tilgen und neue Kredite erlangen könne, verlangte die Weltbank von Bolivien eine Wasserprivatisierung - eine Ungeheuerlichkeit.

Die Ökonomen aus Washington drückten diese Idee damals vielen armen Ländern auf: Durch betriebswirtschaftliches Denken der Wasserversorger würde klug gewirtschaftet, so der Gedanke (zitiert aus Die Presse).

(Zwischenfrage: wer hat seit jeher die meisten Diktaturen auf der Welt protegiert und mit Geld und Waffen unterstützt? Und dies im Namen welchen Systems?)

Plötzlich kostete Wasser etwas und wurde bald immer teurer. Banzer sah sich genötigt, jede Nutzung des Regenwassers von einer Lizenz abhängig zu machen. Brunnengraben war streng verboten! Nachdem das Schießen auf Demonstranten nichts geholfen (oder zu wenig von ihnen umgelegt) hatte, musste er den Vertrag mit der US-Firma Bechtel aufkündigen. Diese verklagte ihn auf Schadenersatz für fünfundzwanzig Millionen Dollar entgangenen Gewinns.

Das konnte ihm egal sein, denn er starb bald darauf. Bolivien muss bis heute prozessieren.

Auch Diktatoren müssen irgenwann den Löffel abgeben. Aber was sie bis dahin von Land und Volk abgeschöpft hben, das bleibt verloren.

Neben dem Wasserspender prangt dieser Name Banzer an der Wand. Wollte hier, mitten in Venedig, ein Boiviano an die Knechtung seines Landes erinnern?

Bedeutet der sinnlos Wasser spuckende Löwe die maßlose Verschwendung von Ressourcen, für die auch die Geschichte der Wasserstadt unzählige Beispiele liefert?

Gleichviel. Das Wasser fließt. Und an Diktatoren wird auch in Zukunft kein Mangel sein.

(Foto: A. Chwatal)