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einhorn insel der seligen

Zelená Hora


Darf die Mira ins Schloss Grünberg! Wundert sich, dass da keine Geister wohnen. Wohnen doch in jedem Schloss und jeder Burg Geister. Steht so in allen Büchern. Ist ein bisschen enttäuscht, die Mira. Erinnert sich aber dann, dass es meistens Nacht ist, wenn es spukt. Hätte die Mira keine Angst vor Geistern! Mira hat Schneid. Oder sollen wir lieber sagen: Mira ist frech.

Geister schreiben nichts auf Wände. Hat Mira jedenfalls noch nie gehört.

Hat jemand anders etwas an die Wand geschrieben. Keine Schmiererei, oder so. Bloß eine Notiz. War mit der Tante hier. Ist ja weltbewegend, was? Mit Datum und Uhrzeit drüber. Ein großes Kind, das später bestimmt Beamter wird. Federfuchser. Sesselpupser. Mira muss lachen.

Steht also die Mira vor der Wand in Schloss Grünberg und wundert sich, dass jemand so etwas hinschreibt. Wundert sich nicht, dass, da etwas steht. Steht ja vieles da. Aber wozu?

Geister waren‘s nicht. Obwohl in diesem langen Korridor manchmal der Wind seltsame Geräusche macht. Dieses Schloss ist zwar ein echtes Schloss, aber zugleich eine echte Bruchbude.

Die Eltern sind zurückgeblieben. Sie stehen in einem der Räume, wo keine Bruchbude ist. So ein Saal mit Verzierungen und mit Geschichte. Da hält die Führersfrau einen Vortrag. Mira ist sozusagen ausgebüxt. Geschieht den Eltern recht, wo sie einen Vortrag wichtiger nehmen als die Miroslava Fajkusová, die doch ihr Kind ist.

Tritt von einem Fuß auf den andern. Kein Geist, nirgends. Und an den Wänden, wo die Farbe abgeht und die Tapeten blättern, nur Blödsinn mit Tante. Und daneben, darüber noch mehr Mist.

Da tritt Mira auf etwas. Bückt sich. Ist ein Geist aus einem Mausloch geschlüpft?

Nein. Eine halb zerquetschte, von Mira persönlich zerquetschte Schachtel. Mit Kreiden. Blau und Rot sind noch ganz.

Da hat Mira eine Idee. Mira liebt Pferde. Sie darf manchmal reiten, beim Onkel Jiří Kurtmajr in Pardubice. Der hat ein kleines Gestüt.

Da zeichnet Mira ein Pferd. Muss sich beeilen. Gleich wird die Führerin nebenan still sein. Die Führerin wird auch etwas dagegen haben, dass hier auf einmal noch mehr an der Wand zu sehen ist.

Aber Mira ist schnell. Malt ein wunderschönes blaues Pferdchen, dazu einen Namen. Vorsichtshalber nicht ihren eigenen, sondern den der Ellen, dieser doofen Zicke vom Nachbarn, die eigentlich Jelená heißt. Und als die Führerin noch immer nicht fertig ist und irgendeine blöde Jahreszahl draufgibt, schreibt Mira dazu, wie alt sie ist. Ist doch tausendmal wichtiger als Datum und Uhrzeit, was dieser Blödian hingeschrieben hat. War bestimmt ein Junge. Jungs sind halt blöd.

Ihre blau und rot verschmierten Hände wischt Mira am Popo ab. Da sieht man sie wenigstens nicht sofort.

Vielleicht merkt es die Maminka sowieso erst zuhause.