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einhorn insel der seligen

Das so genannte Böse


Die Menschen sind nicht so, so böse, so heimtückisch, wie sie oft dargestellt werden. Die Bosheit ist eine Art Krankheit der menschlichen Natur, ein Irrweg, eine Folge von Irrtümern. Die Richter in zivilisierten Ländern kommen um die mildernden Umstände schwerlich herum. Wer sie sucht, wird sie finden.


Ein prügelndes Kind hat selber Prügel bezogen. Warum, das hat es oft nicht verstanden, es wollte einfach etwas ausprobieren. Oder es fand Vaters Gebot oder Mutters Verbot ungerecht, es nahm dem Kind etwas Wichtiges weg, erniedrigte es. Am Ende sind Geprügeltwerden wie später selbst verantwortetes Prügeln schlicht zur Normalität geworden.


Eine Ordnung wird wieder hergestellt – ohne Polizei, denn das sind Fremde, die nichts von dem verstehen, was nah bei uns ist, was uns drückt wie ein Alp. Rechnungen werden beglichen (ohne dass man rechnen können muss), die Position in einer Rangordnung (unter den Geschwistern, unter Freunden) unterstreicht oder verteidigt man. Die Formel für Rache lautet: Wie du mir so ich dir (auch wenn man ersteres nur vermutet oder vorausahnt – sicher ist sicher).


Das Recht liegt in meiner Hand.

Ich bin nicht bestechlich, ich bin verlässlich.

Ich habe es am eigenen Leib erlebt.


Meist aber musst du das Prügeln andern überlassen. Dem Büttel oder einem anderen Diener der Oberen. Als Soldat kannst du eventuell aktiv werden.


Wenn die Obrigkeit anklagt und straft, kannst du dich mit Zuschauen zufrieden geben. Du tust es nicht selber, aber du findest es gerecht, dass da einer gequält, gefoltert, zu Tode gebracht wird.


In der alten Zeit geschah das öffentlich. Der erste Schritt war der Pranger. Da durfte man die fragliche Person beleidigen, sogar anspucken. Den lieben langen Tag lang, wenn du mochtest. Eine Attraktion.


Die Folter diente der Findung der Wahrheit. Weitere Namen sollten genannt werden. Da wollte man nicht immer Zuschauer haben. Doch es wurde ausführlich über das Ergebnis informiert. Ohne Geständnis kam keiner davon. Dann war das kommende Urteil nämlich erst gerecht. Der Prozess erübrigte sich eigentlich.


Zu den Hinrichtungen gingen die Leute gerne. Da wurde nach Herzenslust geschrien und gejohlt. Es war aber auch wichtig zu wissen, dass diese Angelegenheit abgeschlossen war. Der Henker musste seine Sache richtig machen.


Das war auch der Obrigkeit wichtig. Die Leute haben ihr nicht immer vertraut, unausgesprochen hingen so manche Vorbehalte in der Luft. Eine Hinrichtung war oft ein Befreiungsschlag. Danach konnte wieder eine Zeit lang Willkür walten.