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einhorn insel der seligen

Sparifankerl


Manche behaupten steif und fest, den Teufel gebe es nicht. Dabei ist er als Gottes Gegenspieler unverzichtbar. Gott ohne Gegenspieler, das wäre das Paradies, sonst nichts. Und im Paradies war bekanntlich nichts los. Sonst hätten doch die ersten Menschen nicht die Sünde erfinden müssen.


Satan hatte sie schon zuvor erfunden. Aber alle anderen Himmlischen Wesen zogen, soweit vorhanden, den Schwanz ein, halfen zu Gott. Satan sprach von Manipulation. Aber da Gott keine Gewaltenteilung kennt, drang seine Beschwerde nicht durch. Rauswurf erfolgte und spektakulärer Sturz.


Die Himmlischen Wesen verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit Chorgesang und Exerzieren. Darin leiten sie auch die braven Erdenbewohner an, die zu ihnen stoßen dürfen. So entfaltet sich die himmlische Pracht. Große Messen, Prozessionen, Andachten, Pilgerzüge … Der Glanz irdischer Monarchien soll weit überstrahlt werden. Das Bravsein muss die hierher gelangten Menschen über alles Irdische erheben, die Gottestreue muss sich gelohnt haben. Dazu ist ein hoher Personalaufwand nötig. Viel Betrieb hilft gegen Langeweile.


In der Hölle muss dagegen die Sünde verallgemeinert und perfektioniert werden. Auch darin stecken staunenerregende menschliche Leistungen, die Verdammten werden verdammt hart rangenommen. Das ist nur selten lustig. Da alle schon gestorben sind, können Mord und Totschlag sich unbegrenzt ausbreiten und wiederholen. Da Gott streng und gerecht ist, wimmelt es hier auch von harmloseren und weniger schmerzhaften Sünden, wie Ehebruch, Hurerei, Gaunerei, Raub, Erpressung oder Blasphemie. Da kommt es auch zu Momenten von Stimmung, (Schaden-)Freude (abgefeimtem) Stolz. Man wolle ja jenen steifen Puppen und Püppchen im Paradies etwas entgegensetzen. So geht die Rede des Teufels und seiner Assistenten, die er sich vermittels Jungfernzeugung verschafft hat (er ist ja eigentlich ein Engel, also geschlechtslos). Der Herr der Hölle selbst kommt aus der Feierstimmung überhaupt nicht heraus. Sein krachendes Lachen hört man bis zum Himmel, und das ist natürlich beabsichtigt.


Die Bevölkerung der Hölle wächst kontinuierlich rasch, organisatorische Probleme ergeben sich dabei aber nicht. Das Chaos ist System. Notfalls wird zum Orgien-Modus übergegangen. Das verschafft Entspannung und Ablenkung.


Die himmlischen Gefilde haben dagegen Nachwuchssorgen. Denn die irdischen Verhältnisse werden immer komplizierter – oder wirrer – und die Sünden ziehen mit, differenzieren sich, entwickeln neue Methoden und neue Ziele. Einen Mangel an Phantasie kann man Satan nicht absprechen. Allein die Erfindung der Digitalisierung nötigte dem Himmelspersonal bis hinauf zu den Erzengeln eine Masse von internen Fortbildungen ab. Gott selber wusste natürlich Bescheid, aber er war doch zu gewissen Umstrukturierungen veranlasst. Der Teufel musste nichts dazulernen.


Himmel und Hölle stehen sich unversöhnlich und übergangslos gegenüber. Die geniale menschliche Erfindung eines Zwischenreichs (allerdings martialisch benannt), einer quasi neutralen Zone, hätte diesen schroffen Gegensatz wahrscheinlich etwas abgemildert. Aber auf beiden Seiten stieß der Vorstoß auf Ablehnung. Gott bestand auf klaren Verhältnissen, der Teufel zielte weiter darauf ab, die große Mehrheit in seinem Reich zu konzentrieren.


Manchmal muss der Teufel seinen aufgeheizten Körper kühlen, innerlich und äußerlich. Dann macht er ein Spritztour in die Menschenwelt. Mainfränkische Regentonnen liebt er besonders. Womit er das Wasser einsaugt, das er ausspuckt, ist theologisch noch nicht erforscht.

Gott allein weiß es.