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einhorn insel der seligen

Jemand hat hier übernachtet


Eine Niederkunft? Eine Wiederkehr? Wie dem auch sei, die Bleibe ist leer.


Du schaust wie durch eine Trennscheibe und siehst Spiegelungen deiner selbst. Engel haben dich besucht und sind wieder davongeflogen. Du möchtest aber gerne vernünftig sein.

Du sagst: Wenn ein Schirm ein Loch hat, ist er zu nichts mehr nutze und gehört weggeschmissen. Gedanken fliegen jedoch gerne mit nutzlosen Dingen durch Raum und Zeit. Aus Ruinen bauen sie sich herrliche Schlösser, Luftschlösser, in denen man wohnen kann


Da feierst du Feste, und niemand zählt die Gäste.


Durch die Lücke in der Bespannung blickst du ins Innere dieser Höhle, die vielleicht einen Schlafhöhle war. Du siehst die Verstrebungen, die das Dach stützen wie die Wurzeln den Baum.


Du hast Jurten gesehen in der baumlosen Steppe, Zelte aus Teppichen im Wüstensand, schlanke Tipis in einer Lichtung mitten im undurchdringlichen Wald. Doch stets waren die Risse sofort geflickt worden, denn draußen wartete die Kälte, wartete die Hitze, drohten Regen und Schnee. Hier ist nur ein verlassener Ort.


Da ist niemand, doch jemand war da. Lichtstrahlen malen einen Weg wie Stufen. Eine Wendeltreppe.


Du spinnst. Du spintisierst. Du bräuchtest jetzt dringend einen Engel.


Wenn du ausreichend leicht wärest, könntest auch du fliegen - unter einem ausgespannten Schirm. Aber du bist dir selber zur Last. Deine Engel sind unzufrieden mit dir. Sie tun dann so, als gäbe es sie gar nicht. Und du stehst da wie nackt und wedelst mit den Armen.

Lass sie los. Sag: es gibt keine Engel. Ein zerrissener Schirm ist gelandet wie ein Ufo und wartet gespannt, was du mit ihm anstellen wirst. Doch auch die Außerirdischen existieren nicht.


Darfst du sie dir nicht einbilden? Du darfst. Es lässt dir keine Ruhe.


Wenn du den Schirm zuklappen würdest, könnte man die Risse nicht sofort sehen. Doch um an den Stock zu kommen, müsstest du hineinkriechen ins unübersichtliche Halbdunkel, und bevor du das tust, hast du dich schon gefragt: Wo ist der Griff?

Plötzlich: ein Pfiff!


Nur der Nachbar, Gassi mit dem Hund. Der büxt immer wieder aus.

Der Hund, der Nachbar, die Wirklichkeit, der kaputte Schirm. Wahrscheinlich die Kinder … Kinder sind manchmal wie Engel.


Und dein Hirn wirft manchmal Blasen. Seifenblasen. Engelsstaub.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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