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einhorn insel der seligen

Staub


Zerquetschte Beeren und tote Zigaretten emittieren Gase. Abgefallene, verwelkte Blätter vermutlich auch. Von den Steinen geht nichts mehr aus. Oder?

Steine bröckeln, werden Sand, dann Staub. Zigaretten zerfasern, Erdbeeren zerfließen und zersetzen sich. Am Ende ist alles Staub geworden.

Wahrscheinlich kann Staub keine Gase mehr aussenden, hätte also zum Beispiel keine Schuld an Treibgasen. Diese sind das Ergebnis technokratischer Demenz. Das durchweg mechanisierte, durch Maschinen standardisierte menschliche Leben ist eine Form der Dekadenz, die, nun ja, eben menschlich ist - wie die Gier nach Omnipotenz und der Wahn der Potenz, die dahinterstecken.

Eine ausnehmend hoch stehende Persönlichkeit soll präzisiert haben, wir Menschen bestünden selber aus Staub und würden (müssten!) wieder dazu werden. Da zuckten wir zusammen, trotz der zweifelhaften Logik (wer aus A besteht, braucht nicht mehr zu A werden, denn er ist es ja schon).

Gemeint hat seine Exzellenz (Metapher schlägt Logik) wohl, dass wir von Bewegung zu Starre, von Ordnung zu Unordnung, von Aktivität zu Passivität übergehen würden, nach einer Zeit (und vielen, vielen Sünden), in einem Augenblick der Wahrheit.

Was wird aus all dem Staub? Erneut Erdbeeren, Glimmstängel, grüner Blattwuchs? Wäre es so, bräuchten die Dinge so wenig wie wir Menschen Karma, nicht wahr? Nein, Staub muss wandern, Seele muss neu sich bekleiden, sagen wir uns vor.

Aber zuvor wird der Staub hin und her gewischt und zusammengekehrt. Da bildet er dreidimensionale Körper, die wir despektierlich Häufchen nennen. Es sind filigrane, ephemere Figuren, die ein stolpernder Fuß oder ein leichter Windstoß sofort wieder zerstreut.

Unsere laienhafte Imagination stellt sich womöglich auch das Reich der Atome oder der noch kleineren Teilchen so oder so ähnlich vor.

Ein forschender Blick möchte in diesen Staubgebilden archetypische Muster der Gegenstände und auch unser selbst sehen. Aber schon sind sie verwischt, verformt, verflogen in einem Schwarm von Winzigkeiten.

Woraus wir bestehen, wissen wir nicht. Wir stellen es uns lediglich - mehr oder weniger zwanghaft - vor. Wir wissen allerdings weitestgehend, warum vor uns Erdbeeren, Zigaretten und welke Blätter liegen.

Haben wir die Wahl, welches Wissen nützlicher ist bzw. wäre?

Gegen Treibgase scheint sowieso keines hilfreich zu sein.