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einhorn insel der seligen

Buschland


Die graue Eminenz hält sich bedeckt. Doch ist die Zeit reif, wird sie eingreifen.


Alle wissen indes Bescheid: es ist etwas im Busch. Äste knacken, Blätter rascheln. Um im Unterholz zu stöbern, sind sie jedoch zu feige: es könnte ja eine Wildsau dort lauern; eine richtige, eine ausgewachsene, eine mit einem entsetzlich schmatzenden und schnaubenden Rüssel und das Fleisch aufschlitzenden Hauern.

Überdies gottserbärmlich stinkend. Aber das mag man lieber nicht allzu laut sagen.

Also vermeidet man, auf den Busch auch nur zu klopfen. Unter jenem Blattwerk stecke eine gehörige Menge Risiko, wiederholt man gebetsmühlenhaft.


Was aber geschieht, wenn die graue Eminenz tatsächlich heraustritt und sich zeigt in ihrer ganzen grausigen Grauheit?

Da erstarrt jeglicher Verkehr, da verstummen schlagartig Geschnatter und Getuschel. Die Sternschnuppen hören auf zu fallen. Zitternd zögern die Zeiger die Zeit zu zeigen.

Doch so kommt die graue Eminenz nicht weiter. Ihr Blick ist durchdringend und kann aus Tätern Opfer machen, das wird sie nicht ändern. Aber es darf keinen Stillstand geben, denn daraus entsteht kein Wachstum. Verstanden?

(Wachstum muss her, kapiert?)

Ein Witz könnte die Situation entspannen. Doch keinem fällt einer ein.

Also ein genau getaktetes Grunzen. Wildsäue und andere Alphatiere geben durch Grunzen Zufriedenheit und Wohlbefinden zur Kenntnis.

Das wirkt.

Nun ein erwartungsvolles Wackeln mit dem Mehrfachkinn.

Die Furchtsamen sind am Zug.


Vorschläge sind zu machen, Rapporte abzuleisten, Schulden abzustottern; die Bereitschaft, Auftrag x oder Arbeit y zu übernehmen, kann angeboten werden. Kleine Geschenke erhalten – mit etwas Glück – den Anspruch, weiter zur Klientel zu gehören.

Bitte, Eminenz. Sehr wohl Eminenz. Sofort, Eminenz. Untertänigsten Dank, Eminenz.

Meist antwortet ein Grunzen, selten ein Schnauben. Sie spuren. Sie beeilen sich. Der Gestank ist wirklich unerträglich.


Auf dem Rückweg zu ihren besseren Hälften und hoffnungsvollen Gören sagen sie sich laut vor:


Schwein gehabt!

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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