Aktueller Eintrag
Frühere Einträge
Archiv
Schlagwörter

einhorn insel der seligen

Ein Mädel hat Ruh


Sie schläft. Ist das nicht herzig, wie sie sich an sich selber hinschmiegen tut, die junge Frau?

Manch einem würde es was ausmachen, auf dem bloßen Pflaster zu nächtigen, nicht wahr? Immerhin befinden wir uns wenigstens auf einem Gehsteig. Nur Besoffene fahren da manchmal jemanden tot. Und die kriegen mildernde Umstände: technisches Versagen, verkehrsfremde Kurvenführung, Alkoholspiegel durch Fremdeinwirkung, so etwas.

Andere kommen vorbei, schlagen dich nieder, rauben einen aus, vergewaltigen aus purem Spaß an der Freud. Auch Mord ist möglich. Und die müssen nicht einmal besoffen sein. Eine Vernunft gibt es für alles. Und die Kiberer können sich abhampeln und abstrampeln, wie sie wollen. Festnahmen sind rar.

Oktober ist. Die muss doch frieren, meint man. Das Madl friert aber nicht.

Samma nicht kindisch. Lassen mir die gute Frau in Frieden. Schaunma lieber, wie der Nebel aufreißt. Den Schlaf wird sie halt nötig brauchen.

Die Fassade dort, rückwärts, die gibt’s wirklich. Ein sozialer Wohnungsbau ist das, vorbildlich – das macht uns kaum eine andere Stadt nach - mit vielen Balkonen, mit lauter Balkonen. Da fühlen sich die Mieter wohl. Auch im Oktober.

Es ist wahr, man sieht kaum jemand draußen, keinen Selbstmörder, der über die Brüstung kraxelt. Ein paar Leute – das schon – stehen draußen und fuchteln mit etwas herum, das wie eine Knarre ausschaut.

Die meisten Mieter sind noch auf Arbeit, wie Sie und ich. Trotzdem sind die Balkone sauber aufgeräumt.

Sie würden bestimmt auch nicht an den ersten besten vermieten, gell, an einen Hergelaufenen womöglich, eine kritische Personalie. Das tät man sich zweimal überlegen.

Das Madl, sagen Sie, könnt doch auf einem der Balkone schlafen, wo die nicht beansprucht sind. Das wäre immer noch kalt in der Nacht, aber wenigstens weg von der Straße wär sie.

Ich fürcht, die könnt läuten, wie sie wollt. Da schaun Sie durch den Spion, und so ein Madl steht da draußen. Da tun Sie lieber so, als wärn Sie nicht daheim. Höchstens wenn Sie ein lüsternes Mannsbild wären – aber da hätt das Madl nix gewonnen, wenn die Tür aufginge.

Ein bisserl sieht der Nebel wie Qualm aus, aber wo sollte es da brennen. Allerdings – komisch, wenn man genau hinschaut, sich bückt – Sehen’S die Stiche? Dem Madl hat jemand den Mund zugenäht – und die Augenlider – was ist mit denen?

Sie meinen, das schaut nur so aus? No, bitte sehr! Ich hab's eh pressant. Küß die Hand und eine freudenvolle Nacht!