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einhorn insel der seligen

Kuhgut


Nehmen wir einmal an, es käme ein Wanderer vor diese Tür und wäre nur des Deutschen mächtig, nicht aber der Landessprache. Sind die mit Kreide kühn auf die Tür geworfenen sechs Buchstaben eine Übersetzung der drei Wörter, auf die der Pfeil so deutlich weist? Das würde er sich zuallererst fragen.

Variante 1: Kuh+gut: Gut nur für Kühe? Diese Tür, öffnete sie sich auf einen Kuhstall, wo sich der müde Wanderer ein Schöpplein Milch aus der freundlichen Kuh, sagen wir, sie heiße Mizzi, herausmelken und kuhwarm genießen dürfte? Leider hört er keine Muh-Laute des Willkommens. Wozu wäre also eine so wenig hilfreiche Spezies wie die Kuh gut?

Variante 2: Um ein Kuhgut handelt es sich bei diesem Hüttchen auch nicht. Das wäre ein sauberer Gutsherr! Oder sollte es sich um einen Zufallserben, etwa einen Künstler, handeln, der seinen Besitz so farbenfroh verwahrlosen ließe?

Variante 3: Ruh+gut (eine Flüchtigkeit beim Schreiben: da fehlt ein kleiner Haken am Anfangsbuchstaben, ein Dächelchen, und schon wird aus dem K ein R): Ein freundlicher Gutenachtwunsch ist auf jeder Tür willkommen, besonders an einer Herberge. Er wird auch als besondere Nettigkeit empfunden, wenn hinter der bewussten Tür kein überaus großer Schlafkomfort zu erwarten ist. Ist der Ruhe Suchende im Besitz eines Schlüssels zu dieser Tür? Sie aufzubrechen dürfte trotz der prosperierenden Rostfelder in Angel und Türsturz schwierig sein. Ist die Tür tatsächlich verschlossen, könnte dieses Ruh gut! als Verhöhnung empfunden werden, denn der Müde, der Heimat- und Obdachlose muss nun doch draußen im Freien nächtigen.

Variante 4: Hut (die drei Buchstaben links sind mit einer filigranen Linie durchgestrichen, sozusagen anulliert): In der atlantischen Sonne trägt man unterwegs am besten einen Hut, um die nordische Schädelkalotte, zumal die schwächer behaarte, vor den Verheerungen des Tagesgestirns zu schützen. Oder soll man den Hut ziehen, ihn ablegen? Eine Kapelle?

Variante 5: Pessimisten mögen den Hinweis auch in dem Sinn verstehen, man solle auf der Hut sein – vor wen, vor was auch immer. Es kann ja nicht schaden.

Keine Variante ergibt eine klare Handlungsanweisung. Und die Frage stellt sich ein, wieso ein anderer Deutscher (oder Liechtensteiner? Südtiroler?) auf dieses zwar herrlich bunte, aber doch etwas vernachlässigt wirkende Häuschen diese beiden Wörter gesetzt hat. Sie sind kein Satz, es gibt keinen Sinn. Doch was ist in dem Häuschen drin?

(Achtung! Es gibt auch Deutsche (z. B. Ostfriesen? Stiftländer?), die Landsleute - pardon! - verscheißern)

Ist es ein Einheimischer gewesen , der Goethes Sprache nicht genug grammatikalische Aufmerksamkeit zollte oder mit ihr spielen wollte.

Natürlich könnte es sich genauso um eine andere, eine dritte Sprache handeln, dergestalt dass diese sechs Buchstaben zufällig zwei deutschen Vokabeln entsprächen. So bedeutet das persische Wort kugurt Schwefel. Zwei Rechtschreibfehler, ein Buchstabe zu wenig, einer zuviel. Wenn ich versuchte, die persische Schrift in unsere lateinische zu übertragen, käme so etwas manchmal vor. Aber was zum Henker hat es mit dem Schwefel auf sich? Mal schnuppern. Aber es riecht so wenig nach Schwefel wie nach Kuh.

Halt! Sind wir nicht … natürlich, in Portugal!

Portugiesisch? Meine Güte! Der Volkshochschulkurs begann mit Lautlehre: ein K- gibt es in dieser Sprache so wenig wie ein Dehnungs-H, und überhaupt ist mindestens jeder zweite Vokal oder Diphthong nasal zu sprechen. nach dem Einüben dieser Nasale in der zweiten Stunde werden zahlreiche willige Lerner wie ich den Kurs schleunigst verlassen haben.

Aber sind Sprachkenntnisse wirklich nötig?

Der Blitz, das ist klar – da droht Gefahr. Perigo klingt zwar nach einer Champagnermarke, aber morte erinnert eindeutig an Mord.

Wenn du eine Kuh so ärgerst, dass sie dich angreift, kann sie dich schlimmstenfalls tottrampeln. Hinter der Tür befindet sich dann wahrscheinlich eine harmlose, eine sanfte Kuh, die z.B. Schnucki heißen könnte. (Variante 6)

Hast du schon von dem Tiersadisten gehört, der überall in der Gegend Kühe vergiftet? Sieh dich vor! Hinter dieser Tür aber, davon träust du, haust ein Exemplar, mit dem alles in Ordnung ist. Es gibt da eine Blechdose wie bei den selbst zu pflückenden Blumen, du wirfst die erforderliche Summe ein, und du kannst die Kuh schlachten und essen. Guten Appetit! (Variante 7)

Warum grübeln wir so treudeutsch, so treudoof, vor uns hin angesichts eines unserer Sprache nur mäßig mächtigen, sie verunstaltenden Türbeschmierers? Nehmen wir Abstand.

Kuh entspricht in seiner Lautgestalt der deutlichen Aussprache des deutschen Buchstabens Q, der auch im lateinischen Zahlensystem vorkommt. Gut ist das englische Wort. Nun sieht die Sache anders aus.

Q-gut; 500 000 + Darm + perigo da morte = Unzählige Keime warten sehnsüchtig auf dich. Fass doch wenigstens die Türklinke an! (Variante 8)

Q-gut: 500 000 + entkernen + perigo da morte = Die Hütte ist so wackelig, dass das Öffnen der Tür die ganze Konstruktion zum Einsturz brächte. (Variante 9):

…. …. ….. ….. …… …….

Weiterhin viel Vergnügen!

(Oder du versuchst endlich die Tür aufzumachen!)

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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