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einhorn insel der seligen

Zerreißprobe


Es könnte sich hier um ein Attentat von Öko-Freaks auf ehrlich bezahlte und gesetzmäßig von Steuern entlastete Werbung handeln. Fest steht: repräsentative Bilder wichtiger Exportprodukte des Landes wurden verunstaltet.

Dabei ist zu fragen: Wie käme ein engagierter Umweltschützer in den Wald ohne Auto? Kennen Sie einen unmotorisierten Förster? Ganz zu schweigen von der weiter gehenden Frage: Wie käme einer, der sich zu noch Höherem berufen fühlte, zum Erhalt der tropischen Regenwälder etwa, ohne Verbrauch von Flugbenzin vor Ort? Zur Sichtung des Tierbestands oder der Registrierung von unerlaubten Brandrodungen sind dort zumindest Hubschrauber vonnöten.

Ganz ehrlich: Wir haben nichts gegen Blattwanzen auf unserer Zimmerzuchtblumenpracht, die Hirschbrunft finden wir einer Aufnahme ins Weltkulturerbe wert, und der sprunghaften Vermehrung der Stadtrandkaninchen begegnen wir durch immer neue Ausweisungen von immer neuen und immer wichtigeren Industrieparks. Seit langem heizen wir mit Erdgas und Erdölprodukten, nicht mit dem, was im Wald wächst. Jetzt distanzieren wir uns sogar von edlen Tropenhölzern und Palmöl. Ernsthaft. Schrittweise. Bis zweitausend … so und so viel ist das Problem gelöst. Versprochen.

Wir brauchen die alten und die neuen Energien, denn das Wachstum muss weitergehen.

(Was die Atomenergie betrifft – mischen wir uns nicht in ein schwebendes Verfahren ein!)

Es ist so viel von Verschwendung die Rede. Ist es etwa keine Verschwendung, wenn ein eben aufgeklebtes und – seien wir doch ehrlich – ästhetisch durchaus ansehnliches Werbeplakat nach ein paar Tagen erneuert werden muss? Denken wir nicht nur an das anspruchslose Rohmaterial (Recycling scheidet hierbei leider aus), sondern auch an den Mindesttariflohn der Kleber!

So wie das geschundene Plakat jetzt aussieht, könnte fast der Eindruck entstehen: Auto fährt Baum um: Baum tot! So wie noch um 1970 der ADAC von Mörderbäumen sprach und damit solche meinte, an denen unachtsame oder nicht mehr zurechnungsfähige Autofahrer tödlich verunglückt waren. Das entspricht nicht heutigen emotionalen Standards der Autoindustrie. Vergessen wir nicht: in den Jahrzehnten dazwischen florierten die Diskussionen um das so genannte Waldsterben. Heute weht ein frischer, ein neuer Geist: z.B. werden Totholzzonen in Pauschalreise-Angebote miteinbezogen, wenn es sich anbietet.

Wir haben unseren Argumentationsmodus angepasst. Wer in die Zukunft blickt, muss flexibel sein.

Wir leben nicht hinterm Mond. Eine Rodung ist keine Mondlandschaft. Sie schafft langfristig Lebensqualität. Von Arbeitsplätzen ganz zu schweigen.

Auf unserem Plakat war beides zu sehen: nützliche, smarte Autos durchqueren einen intakten, dabei malerischen Wald. Wir sind nicht einseitig. Diejenigen sind es, die solche Plakate rücksichtslos zerstören. Um einer überholten Ideologie willen.

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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