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einhorn insel der seligen

La peau à Papa


Ich steh am Baum und rühr mich kaum. Mir ist so kalt. Wo ist sie, deine mächtige Gestalt? Mein Traum von dir ist nichts als Schaum im leeren Raum.

Du bist ein Opfer bäurischer Gewalt, die unsereins verachtet, bevor sie unsrer viele schlachtet.

Bei mir hätt‘ ich dich gern. Doch du bist fern. Hab bloß die Rinde, mich daran zu reiben. Und du durftest nicht bleiben. Denn mit dir mussten sie Schindluder treiben.

Ich weiß, dass man dich irgendwohin bringt und zum Bespringen zwingt von Kuh zu Kuh (man sagt zu dir und grinst: von Coup zu Coup), man lässt dir keine Ruh. Auch mir nicht, denn es ist kein Hirngespinst: Man nimmt dich ran, das strengt dich an, das reibt dich auf, zur Not scheucht dich die Peitsche da hinauf.

Hier unterm Baum - wir waren so vertraut, nur Fell an Fell und Haut an Haut, denn andres wäre einer Tochter Sache kaum, wär trumpish laut und hollywoodish grell.

Du musstest mit, so stark bist du – und doch nicht stark genug zu widerstehn dem permanenten Sex-Betrug. Und Zug um Zug büßt du die Tierschaft ein: du willigst drein, Gerät zu sein, dienst nur dem Züchter-Mensch allein und lässt mich hier, vor Kälte schlotternd, auf bereiftem Feld.

Kommst du wohl je zurück aus jener andern Welt?

Wohl kaum: es ist normal und dir ist‘s schon egal.

Ich muss mich um mich selber sorgen und ich darf nicht seufzen, wenn ich denk an morgen. Die Kalbfleischlaufbahn muss ich meiden, will lieber brav mit Schwestern, Tanten und der Mutter weiden und Milch mir aus dem Körper pumpen lassen. Doch werd ich Pumpen stets und alle Pumper hassen.

Auch deinetwegen, Ritter von der traurigen Gestalt, mit Schaum vorm Maul, in keine Kuh verknallt, die man dir vorsetzt wie ein Futter, wie ein Fressen. Mich hast du sicher längst vergessen.

(Das wär auch nicht verkehrt, im Gegenteil, wär wünschenswert)

Kein Pumper, keine Züchterpeitsche fragt nach unserm Willen. Wir leben weiter – das muss uns genügen – diesseits von Illusionen und von Lügen – auf diesen winterlichen Wiesen ganz im Stillen.

Ach, könnten wir nicht mit vereinter Kraft in wilder Leidenschaft all diese Pumper, Züchter, Kuhfleischfresser killen?