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einhorn insel der seligen

Bachblüte


Unbeirrt vorwärts schreiten. Aus dem Woher ins Wohin.

Der Grund ist Schlamm. Das Wasser trübt sich hinter dir. Behutsam hältst du das Gleichgewicht. Die Fische weichen zurück. Die Pflanzen bilden Spalier. Sie haben dich erkannt.

Deine Schönheit zieht andere, begehrlichere Blicke auf sich.

Die Gaffer drängen sich am Ufer und auf der Brücke. Sie sind dir gleichgültig. Dich unter die Brücke ducken, um gebückt hindurchzukriechen: diesen Gefallen wirst du ihnen niemals tun.

Wie in Demut hast du die Augen niedergeschlagen. Doch wenn du aufblickst, wird die Brücke vor dir zurückweichen, sich auflösen, in die Luft fliegen, wer weiß. Die Gaffer werden verschwunden sein.

Deine Reise geht weiter.

In die andere Welt.

Die einen Augenblick lang aufscheint unter uns Gaffern. Manchmal. Selten. Fast nie.

Eine Fee! haben wir gerufen. Andere schrien: Eine von drüben! Wieder andere überbrüllten sie: Eine Professionelle, die’s erwischt hat! Wir haben uns zusammengerottet am Ufer, wir haben sie angeglotzt, haben sie begleitet mit frechen Reden und rohen Worten. Die Spucke sprühte aus unseren offenen Mündern. Wir haben die Brücke, klein ist sie, niedrig, mickrig wie unsere Häuser, wir haben sie belagert, diese Brücke, um das Weib, vielleicht zu berühren. Vorbei musste sie, und sie stapfte langsam.

Das hätten wir uns getraut.

Die hätte was erleben können.

Doch sie hob den Blick, wir spiegelten uns sekundenlang in ihren Augen. Flüchteten in Panik. Schauten uns nicht um. Sahen sie nie wieder.

Du gierst nach dem Anblick der Schönheit. Ihren Blick erträgst du nicht. Er weist dich in die Schranken. Er zeigt dir, was du bist. Weil er zeigt, wie du bist.

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist dem Tode schon anheimgegeben, wird für keinen Dienst auf Erden taugen, und doch wird er vor dem Tode beben -

wer die Schönheit angeschaut mit Augen!