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einhorn insel der seligen

Blühende Landschaften


Die Politik hat die Lebensmittel entdeckt. Die SPD die Kartoffel, die CDU den Mais. Die FDP bevorzugt Spargel, die CSU Zucker- oder Runkelrüben. Die Grünen sind angesichts dieser Situation ratlos. Energiemais statt Kernkraft – das hat die grüne Partei bis heute nicht verkraftet.

Mais ist genetisch - energetisch auf dem Vormarsch. Genmais ist unwiderruflich gesund. Dieses Maisgen hat die CDU für sich entdeckt.

Dazu braucht sie entweder junge Kandidaten, die dynamische Frische und transgene Gesundheit aufweisen, Leute, die mitten im Leben stehen, anpacken und trotzdem sich im Gesicht naturbelassen präsentieren wie der Herr links; oder heiter zu allem entschlossene Ideologen, die das Gewoge der Verwerfungen in der Führungsspitze der Partei in wasserdichte Verlautbarungen, Kommuniqués und Pressekampagnen umarbeiten wie der Brillenträger rechts. Diese Jugend stellt die von der Partei so dringend benötigten nachwachsenden Rohstoffe dar, wie sich die Youngster scherzhaft auch selber nennen.

(Um das klarzustellen: Es gibt zahlreiche seriöse Untersuchungen (Psychologie, Psychiatrie, sogar Neurowissenschaften), die bestätigen, dass das oben über Bart und Brille Gesagte tatsächlich eine positive Wirkung entfaltet, zumal auf Frauen, einen für die CDU nicht unwichtigen Wahlvolkssektor, der dann wohl auch weniger nerven würde bezüglich der leidigen Frauenquote )

Auf den Spuren der kriegerischen Mayavölker hat die CDU dem Mais eine gewichtige Rolle zugeschanzt. Gefügige Sendeanstalten strahlen einschlägige Kochsendungen aus, im Bildungsfernsehen wird der Vitamingehalt von Mais ausgebreitet, im Maisanbau Beschäftigte werden systematisch zu Wahlhelfern umgeschult. Mais als universales Futtermittel für alle Schlachttiere ist auch eine Antwort auf Fleischverweigerer und Ökospinner.

(Die CSU wehrt sich, wie gewohnt, standhaft gegen das Vordringen von Maisbier – bei Whisky sieht die Sache anders aus – obwohl es mutatis mutandis dem Reinheitsgebot entspricht)

Die Raue Haut (Pellagra) mit Durchfällen, Hautausschlägen und tendenzieller Demenz ist ein Restrisiko bei Wahlveranstaltungen mit einem Catering, das ausschließlich aus Maisprodukten wie Cornflakes, Popcorn, Polenta, Erdnussflips, Tortillas besteht. Doch ist diese Krankheit bekanntlich mit Bierhefe gut zu behandeln (Maisbier sei allerdings ausgeschlossen, wie die CSU feixend betonte).

Einwände seitens der kleinlaut gewordenen Grünen, die immer wieder die drollige Vokabel einer vermaisenden Landschaft in die Diskussion werfen, wird neuerdings gekontert mit der Möglichkeit, aus Mais essbares Geschirr herzustellen. Das sei sogar einwandfrei vegan, witzelte der CDU-Generalsekretär, darin könnte man die neu auf den Markt geworfenen Grillwürstl, garantiert aus reinem Mais, versetzt mit anderen robusten Gemüsen, servieren. Es bleibe das Geheimnis des Kochs, wie die Vitamine A, B1 – B6 und E in Wurst bzw. Teller verteilt seien.

Auf den Spuren der kriegerischen Mayavölker ist die CDU auf Maiskurs eingeschwenkt. Die Maya glaubten, die ersten Menschen seien von den Göttern aus Mais gemacht worden. Daher gebe es weiße, gelbe, braune und schwarze Menschen. Rot war dabei ebenso ausgeschlossen wie Grün, das gefiel in der Partei den Machern wie den Gläubigen.

Die Regierung des Nachbarlandes Österreich hat den reichsdeutschen Weg begrüßt und folgt ihm mit einiger Verspätung. Trotzdem zucken die Politiker des altpreußischen Nordens noch immer zusammen, wenn in politischen Reden oder in den Medien von Kukuruz die Rede ist: Alt-Habsburger Barock-Schmock.


© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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