Aktueller Eintrag
Frühere Einträge
Archiv
Schlagwörter

einhorn insel der seligen

Der Clown


Was? Wer hat da einen Nobelpreis bekommen? Ich nicht und der Jandl Ernstl auch nicht. Mit einer Nase wie der meinen kriegst du keine noblen Preise.

(Aber der Fo, Himmelherrgottnochmal)

Kalauern wir nicht rum! Gaudimachen ist was Ernstes, Seriöses.

Zum Exempel, sag ich, mein Kostüm mit den halbkugelförmigen Mulden. Da ist Strass dran sonst, das blitzt in die Augen des verehrten Publikums, das lenkt sie ab, da kann ich leicht tricksen. Schön ist es auch noch: so ein fast jenseitiges, in sich selbst versinkendes Blau, Jaja. Ich komm von weit her, raunt es, schon Adam und Eva waren Narren, Kain und Abel erst recht, wer hat denen bloß solche abstruse Ideen in den Kopf gesetzt, selber draufkommen konnten die doch gar nicht, flüstert es.

Sie sehen, schon wird es ein wenig ketzerisch. Das hörten die großen Herren gerne, die wollten stets, dass der Spaßmacher bis an die Grenze geht, aber wo die Grenze verläuft, haben sie bestimmt, nicht er. Der Narr brachte sie zum Lachen, dann wurde er ausgepeitscht oder manchmal geköpft.

Zum weiteren Exempel dann: der ins Rötliche spielende Kopf meiner Wenigkeit. Manche Kollegen tragen Perücken mit rotem Haar, das fesselt sofort den Blick, rotes Haar ist selten, ist Hexenhaar. Oder die Clownsnase (Schnapsnase). Verwenden die meisten Kollegen, muss ich nicht. Ich habe mich für ein klerikales, fast päpstliches Käppchen entschieden und ein Gesicht, das dabei ist, zu erröten. Wie die Jungfrau, die ihren allerersten piropo hört, quasi pflichtschuldigst errötet. Dochdoch, das gab es mal.

Ein Clown muss naiv, muss kindlich sein, auch wenn er so hartgesotten ist (oder tut), wie ich. Er muss es den Leuten leicht machen, über ihn zu lachen. Am besten lacht man über die, denen man sich überlegen glaubt: Kinder, Jungfrauen, Säufer, usw.

Denn Glauben hat schon immer geholfen.

Oh! Das war jetzt gar nicht so lustig. Aber rot werden können, wann du willst, ist wie mit den Ohren wackeln. Da kannst du gleichzeitig jeden Scheiß erzählen.

Aber ich wollte noch ein Exempelein aufs Tapet bringen: die Maske, die ich über den Hinterkopf gezogen habe: Doppelkopf. Doppelter Döskopp. Heini zum Quadrat. Mit eher stechendem Blick allerdings, die Larve, während meine unverstellte, unentstellte, genuine Vorderseite das Temperament eines Nashorns ausstrahlt. Für so ne Visage gibt s keine Apanage.

Da wären wir wieder bei der Nase. Der putzigste Bär ist der Nasenbär, das ist kein Problembär, so wenig wie ein Nasenstüber ordentlich weh tut, er führt höchstens zu Nasenbluten. Einen Nasenstüber muss man einem Naseweis geben, zum Beispiel eben der Maske am Hinterkopf, einem tendenziellen Pinocchio, frech und eigensinnig, von dessen Rübe es garantiert nicht blutet.

Bei einem Nashorn nützt das nix. Das watschelt auf das verehrte Publikum zu und holt sich jemand, der mitmacht, der sich ein bisschen blamiert, er wird dabei zigmal fotografiert. In Wirklichkeit wollen die Leute über sich selber lachen, also ich meine: einer über den andern. Ich bin da bloß ein Katalysator.

Wie wollen Sie als Katalysator den Nobelpreis gewinnen? Seufz.






© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

WEBDESIGN |  SEPP FISCHER