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einhorn insel der seligen

Wir kommen klar

Wir kommen klar. Wir tun und lassen, was Sache ist. Wir akzeptieren allerdings auch das Sinnlose als Gegenteil und Gegenspieler unserer planenden Hirne. Wir müssen. Es ist eben da.

Wenn etwas glänzt, sind wir kurzfristig schon interessiert. Immerhin, ein Rechteck, Geometrie. Zwei ovale Aussparungen: Ansatzpunkte für das Durchgreifen einer Hand? Bedeutungslos. Ist ja kein Ding mehr. Totes Teil eines Behälters, einer Maschine.

Daneben: sieht wie arrangiert aus, meinst du. Blätter. Etwas ist zerdrückt, eine Eierschale oder ein Plastikbecher?

Und? Ein Blatt ist ein Blatt. Blätter fallen irgendwann und landen irgendwo. Und eine gezähnte, schwarze Pappe, was soll das sein? Kein Tier mit Schnauze. Kindereien. Noch was? Ein Stück Rohr, Hälmchen einer vertrockneten Pflanze, eine Kippe, ein Gestänge? – Abfall. Punkt.

Was siehst du? Aha. Zwei Gesichter im Rechteck. Eins verschließt sich, eins lächelt.

Aber, hallo! Das ist kein von Archäologen zurechtphantasiertes prähistorisches Gekritzel, das ist ein zufälliges Ergebnis von Naturkräften. Schab- und Schleifspuren, Verfärbungen durch Flechten oder tierischen Kot.

Etwas hat geschabt und geschliffen, Wurzeln ausgestreckt oder Kot abgesondert, exakt hier: eine Nachricht, eine Botschaft steckt da drin, sagst du, und wir sind nicht imstande, sie zu entziffern.

Jetzt mach mal halblang. Eine Tafel, ja, aber nicht aus Stein, sage ich. Moses ist lange tot. Selbst das Eiserne Zeitalter ist schon vorbei. Schotter ist Schotter, Schrott ist Schrott. Halte deine Gedanken fest. Du hast das Wesentliche nicht begriffen.

Wir kommen aber trotzdem klar, was?

Was? Wieso nicht?

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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