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einhorn insel der seligen

Bögen

Der Biker kämpfte gegen die Zeit. Er kreuzte den Fluss, der die Zeit mit sich riss und nahm die Verfolgung auf wie zuvor. Mit wachsender Entfernung verkleinerte sich sein Bild, sein stöhnender Atem verflüchtigte sich im dröhnenden Gurgeln des Flusses, das sich gleich blieb.

Wessen Blick würde das Bild des Bikers im nächsten Moment verlieren?

Neid müsste doch der Blickende empfinden, er blieb ja zurück. Er lehnte am Stein, der kalt war am hellen Tag. Uneinholbar würde sich der Biker in der Zeit verlieren.

Der Blickende lächelte.

Die Bögen wurden mit der enteilenden Zeit klein und kleiner. Aus der schmalen Linie, die der Biker im Bild besetzte, würde unverzüglich ein Punkt geworden sein, dann ein Nichts.

Die Zeit war uneinholbar. Wusste das der Biker? Folgen und Verfolgen war seine Natur.

Der Blickende blieb unbeweglich.

Es war so, dass die Räder sich rasch und rascher drehten und versuchten, dem Fluss Paroli zu bieten. Er sollte nicht schneller fließen als sie den Biker vorwärtstrugen, die ewige Wiederkehr des Gleichen sollte es sein. Es war gut, etwas zu besitzen, dem man folgte, das man zur Richtschnur nahm, auch wenn man darüber vergaß, was vorbeiflog und zurückblieb.

Wie die Bögen.


Der Blickende lächelte wieder.


Die Bögen gehörten ihm. Der Fluss schwieg, und der Biker balancierte auf der Stelle.

(… ließ den Raum sich krümmen, schied das Licht vom Schatten und erfand die Zeit )

© 2014 by CLAUS MARTIN OSTERMAIR

 

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